Zwei Fragen, die mich immer wieder beschäftigen:
- Was ist eigentlich Kreativität?
- Ist es möglich etwas „neues” zu gestalten?
Letzteres würde ich zwar spontan mit „Ja” beantworten, sobald ich jedoch darüber nachdenke, ob etwas wirklich „neu” sein kann, muss ich das „Ja” relativieren. In der Geschichte wurde bereits vieles umgesetzt und es lässt sich sicher immer irgendwo ein Bezug finden. Wirklich „neu” kann eigentlich kaum etwas sein. Etwas „neuem” würden wir vermutlich hilflos oder ablehnend gegenüberstehen müssen, da wir keinen Vergleich herbei ziehen können.
Kreativität an sich beschreibt das Spiel mit vorhandenen Elementen. Eine Suche nach neuen Kombinationen bekannter – und möglicherweise auch unbekannter – Objekte. Im Ergebnis der besten Kombination bekannter und unbekannter Objekte erhält man dann etwas „neues”.
Für Kreativität benötigt man jedoch Raum um zu spielen. Im Rahmen unserer, durch existenziellen Druck dominierten, Zeit ist das „Spiel” jedoch etwas, für das wir uns kaum Raum nehmen können. So entsteht immer weniger „neues”. Da es nach der obigen Betrachtung ja kaum möglich ist etwas „neues” zu schaffen ist die „Kopie” wohl das einzige, was im Kreativleben des aktuellen Wirtschaftslebens möglich erscheint. In der Kopie schafft man auf Basis von etwas Bekanntem eine eigene Interpretation des Bekannten. Das ist dann nichts neues, aber zumindest eine eigenständige Arbeit.
Wenn ich mir die Portfolios von Designern ansehe, sehe ich in der Regel sehr ähnlich ausgerichtete Arbeiten, die versuchen dem „aktuellen” Trend zu genügen. Das führt automatisch dazu, dass alles die Kopie einer anderen erfolgreichen Arbeit sein muss, damit es im Fluss des aktuellen Bilderstroms, dem aktuellen Trend, wahrgenommen werden kann. Raum für wirklich „neues” ist da kaum gegeben, da die meisten Kreativen sich dem Druck der existenziellen Situation beugen müssen.
Kreativität benötigt Raum, damit sie zum Leben erwachen kann. Und es sollte – trotz der unumgänglichen Gegebenheit der Kopie – zum guten Ton gehören sich immer zu bemühen etwas Eigenständiges zu schaffen.
Ein interessantes Buch in diesem Zusammenhang: „Die Kopie” von Horst Janssen.





